Ausschussquote berechnen: Formel, MES-Daten und Nutzen

Die Ausschussquote zeigt, welcher Anteil der produzierten Gesamtmenge nicht als Gutmenge verwendet werden kann.

Sie macht Qualitätsverluste sowie unnötige Material-, Maschinen- und Personalkosten sichtbar.

Infografik zur Ausschussquote mit Ausschussmenge, Gesamtmenge, Ursachen und Berechnungsformel

Was sagt die Ausschussquote aus?

Die Ausschussquote beantwortet die Frage:

„Welcher Anteil der produzierten Teile ist nicht verwendbar?“

Eine hohe Ausschussquote kann beispielsweise entstehen durch:

  • fehlerhafte Prozessparameter
  • ungeeignetes Material
  • Werkzeugverschleiß
  • Maschinenstörungen
  • Bedienfehler
  • instabile Anfahrprozesse
  • unklare Arbeitsanweisungen
  • verspätete Fehlererkennung

Die Kennzahl zeigt die Höhe des Ausschusses. Für eine Verbesserung müssen zusätzlich die Ausschussgründe analysiert werden.

Wie wird die Ausschussquote berechnet?

Die Formel lautet:

Ausschussquote = Ausschussmenge ÷ Gesamtmenge × 100

Dabei gilt:

Gesamtmenge = Gutmenge + Ausschussmenge

Werden weitere Mengenkategorien wie Nacharbeit oder Prüfteile verwendet, muss die Berechnungsgrundlage eindeutig festgelegt werden.

Beispiel für die Berechnung

Eine Maschine produziert in einer Schicht insgesamt 760 Teile.
Davon werden 30 Teile als Ausschuss bewertet.

WertErgebnis
Gesamtmenge760 Stück
Gutmenge730 Stück
Ausschussmenge30 Stück

Die Ausschussquote beträgt:

30 ÷ 760 × 100 = 3,9 %

Damit waren 3,9 Prozent der produzierten Teile nicht verwendbar.

Welche Daten werden benötigt?

Für die Berechnung und Ursachenanalyse werden Mengen-, Auftrags- und Qualitätsdaten benötigt.

Benötigte DatenTypische Datenquelle
Produzierte GesamtmengeMaschine, MDE oder BDE
AusschussmengeBDE, MES oder CAQ
GutmengeMaschine, BDE, MES oder CAQ
AusschussgrundBedienereingabe, MES oder CAQ
Auftrag und ArtikelERP oder MES
Maschine und ArbeitsplatzMES oder MDE
WerkzeugMES oder Werkzeugverwaltung
MaterialchargeERP, MES oder Tracking & Tracing
ProzessparameterMaschine, SPS oder MES
Prüfmerkmale und ErgebnisseCAQ oder MES
Material- und HerstellkostenERP oder Kalkulation

Eine reine Ausschussmenge reicht für Verbesserungen nicht aus. Ausschussursache, Entstehungsort und betroffener Auftrag müssen ebenfalls bekannt sein.

Welchen Vorteil bietet ein MES?

Die Ausschussquote kann auch ohne MES berechnet werden.

Dafür müssen Produktionsmengen, Ausschussmeldungen und Qualitätsdaten jedoch manuell zusammengeführt werden. Ursachen und Zusammenhänge bleiben dabei häufig unklar.

Ein MES kann Ausschuss direkt im Produktionsprozess erfassen und mit weiteren Daten verbinden.

Dadurch entstehen folgende Vorteile:

  • aktuelle Ausschussquote ohne manuelle Berechnung
  • einheitliche Erfassung von Ausschussmengen
  • verbindliche Ausschuss- und Fehlergründe
  • Auswertung nach Maschine, Auftrag, Artikel und Schicht
  • Zuordnung zu Werkzeug und Materialcharge
  • Verbindung mit Prozess- und Qualitätsdaten
  • Erkennung wiederkehrender Fehlerursachen
  • Bewertung des Ausschusses in Mengen, Zeiten und Euro
  • Kontrolle umgesetzter Verbesserungsmaßnahmen
  • weniger Excel-Listen und manuelle Berichte

Der wichtigste Nutzen liegt nicht allein im Prozentwert.

Ein MES zeigt zusätzlich:

  • wann der Ausschuss entstanden ist
  • welcher Auftrag betroffen war
  • welche Maschine und welches Werkzeug verwendet wurden
  • welche Materialcharge eingesetzt wurde
  • welche Prozessparameter vorlagen
  • wie hoch die wirtschaftlichen Verluste sind

Damit wird aus einer nachträglichen Mengenmeldung eine Grundlage für Ursachenanalyse und Kostensenkung.

Ein MES reduziert den Ausschuss jedoch nicht automatisch. Die Verbesserung entsteht durch die Beseitigung der erkannten Ursachen.

Was muss vor der Berechnung festgelegt werden?

Die Formel allein reicht nicht aus.

Das Unternehmen muss unter anderem klären:

  • Wann gilt ein Teil als Ausschuss?
  • Wer darf eine Ausschussentscheidung treffen?
  • Wie werden nachgearbeitete Teile behandelt?
  • Werden Anfahrteile als Ausschuss bewertet?
  • Wie werden Prüfteile berücksichtigt?
  • Wie werden zerstörend geprüfte Teile behandelt?
  • Gehören Materialreste zur Ausschussmenge?
  • Wann wird die Ausschussmenge gebucht?
  • Können Ausschussmeldungen nachträglich geändert werden?
  • Welche Ausschussgründe müssen ausgewählt werden?
  • Wie detailliert werden Fehlerursachen erfasst?

Ohne einheitliche Regeln sind Ausschussquoten verschiedener Maschinen, Artikel oder Werke nicht zuverlässig vergleichbar.

Ausschussquote und Qualitätsrate

Die Ausschussquote und die Qualitätsrate betrachten dieselben Produktionsmengen aus unterschiedlicher Sicht.

Ausschussquote = Ausschussmenge ÷ Gesamtmenge × 100

Qualitätsrate = Gutmenge ÷ Gesamtmenge × 100

Werden nur Gutmenge und Ausschussmenge unterschieden, ergänzen sich beide Kennzahlen zu 100 Prozent.

Bei Nacharbeit, Prüfverlusten oder weiteren Mengenkategorien ist eine genauere Abgrenzung erforderlich.

Ausschussquote und Nacharbeitsquote

Ausschuss und Nacharbeit sind nicht dasselbe.

Ausschussteile können nicht mehr wirtschaftlich oder technisch verwendet werden. Nacharbeitsteile können durch zusätzliche Bearbeitung noch zu Gutteilen werden.

Nacharbeit verursacht dennoch zusätzliche:

  • Maschinenzeit
  • Personalaufwand
  • Prüfaufwand
  • Durchlaufzeit
  • Kosten

Deshalb sollten Ausschussquote und Nacharbeitsquote getrennt ausgewertet werden.

Wie ist die Ausschussquote zu bewerten?

Eine niedrige Ausschussquote ist grundsätzlich positiv.

Sie bedeutet aber nicht automatisch, dass der Qualitätsprozess wirtschaftlich arbeitet. Möglicherweise wird Ausschuss durch umfangreiche Nacharbeit oder einen hohen Prüfaufwand vermieden.

Die Ausschussquote sollte deshalb gemeinsam betrachtet werden mit:

Welcher Wert ist gut?

Es gibt keinen allgemein gültigen Zielwert für alle Unternehmen.

Der sinnvolle Zielwert hängt unter anderem ab von:

  • Produktionsverfahren
  • Produktanforderungen
  • Materialwert
  • Losgröße
  • Prozessfähigkeit
  • Sicherheitsanforderungen
  • Kundenanforderungen
  • Anfahr- und Rüsthäufigkeit

Entscheidend ist nicht nur die Quote. Ein geringer Ausschuss bei teuren Produkten kann wirtschaftlich bedeutender sein als eine höhere Quote bei günstigen Teilen.

Wie lässt sich die Ausschussquote verbessern?

Geeignete Maßnahmen sind beispielsweise:

  • Ausschussgründe vollständig erfassen
  • Fehler nach Häufigkeit und Kosten priorisieren
  • Prozessparameter überwachen
  • Werkzeugverschleiß frühzeitig erkennen
  • Anfahr- und Rüstprozesse stabilisieren
  • Materialchargen rückverfolgen
  • Prüfungen näher am Entstehungsort durchführen
  • Arbeitsanweisungen verbessern
  • Bediener gezielt qualifizieren
  • Qualitäts- und Maschinendaten gemeinsam auswerten
  • wiederkehrende Fehlerursachen dauerhaft beseitigen

Die größten wirtschaftlichen Verluste sollten zuerst bearbeitet werden.

Welchen Nutzen hat das Unternehmen?

Eine belastbare Ausschussquote hilft Unternehmen:

  • Qualitätsverluste frühzeitig zu erkennen
  • Materialkosten zu reduzieren
  • unnötige Maschinenzeit zu vermeiden
  • Produktionskapazität freizusetzen
  • Fehlerursachen zu priorisieren
  • Prozessstabilität zu verbessern
  • Liefertermine besser einzuhalten
  • Kundenreklamationen zu vermeiden
  • Verbesserungsmaßnahmen zu bewerten
  • Einsparpotenziale in Euro zu berechnen

Für die wirtschaftliche Bewertung sollten neben dem Materialwert auch Maschinenzeit, Personalaufwand, Prüfkosten und Entsorgung berücksichtigt werden.

Ausschussquote im MES-Lastenheft definieren

Die Anforderung

„Das MES muss die Ausschussquote berechnen.“

ist für ein MES-Lastenheft nicht ausreichend.

Zusätzlich sollte festgelegt werden:

  • verwendete Berechnungsformel
  • Definition von Gesamt- und Ausschussmenge
  • Behandlung von Nacharbeit
  • Behandlung von Anfahr- und Prüfteilen
  • Herkunft der Mengen- und Qualitätsdaten
  • verbindliche Ausschuss- und Fehlergründe
  • erforderliche Kommentierung oder Freigabe
  • nachträgliche Änderung von Ausschussmeldungen
  • Auswertung nach Maschine, Auftrag, Artikel und Schicht
  • Verknüpfung mit Werkzeug, Materialcharge und Prozessdaten
  • Bewertung in Menge, Zeit und Euro
  • Filter-, Vergleichs- und Exportmöglichkeiten
  • historische Speicherung
  • Anzeige der größten Ausschussursachen

Nur mit diesen Festlegungen können MES-Anbieter die Anforderung eindeutig bewerten.

Häufige Fragen zur Ausschussquote

Die Ausschussmenge wird durch die produzierte Gesamtmenge geteilt und mit 100 multipliziert.

Benötigt werden insbesondere Gesamtmenge, Ausschussmenge, Auftrag, Artikel, Maschine und Ausschussgrund.

Typische Ursachen sind Prozessfehler, Materialprobleme, Werkzeugverschleiß, Maschinenprobleme und Bedienfehler.

Ja. Ohne MES müssen Mengen und Qualitätsdaten jedoch häufig manuell zusammengeführt werden. Ursachen und wirtschaftliche Auswirkungen bleiben dabei oft unklar.

In der Regel nicht. Nacharbeitsteile können durch zusätzliche Bearbeitung noch zu Gutteilen werden. Die Definition muss im Unternehmen eindeutig festgelegt werden.

Nicht immer. Eine niedrige Ausschussquote kann durch hohen Nacharbeits- oder Prüfaufwand erreicht werden. Deshalb müssen weitere Qualitätskennzahlen berücksichtigt werden.

Nein. Ein MES macht Ausschuss, Ursachen und Zusammenhänge sichtbar. Die Reduzierung entsteht durch konkrete Verbesserungsmaßnahmen.

Weitere Informationen

Weitere passende Kennzahlen sind:

Weitere Grundlagen finden Sie auf der Übersichtsseite MES-Kennzahlen und unter MES-Lastenheft erstellen.