OEE berechnen: Formel, Datenquellen und Nutzen im MES

Die OEE zeigt, wie effektiv eine Maschine oder Anlage während der geplanten Produktionszeit arbeitet.

OEE steht für „Overall Equipment Effectiveness“. Auf Deutsch wird häufig der Begriff Gesamtanlageneffektivität verwendet.

Die Kennzahl verbindet drei Faktoren:

OEE-Formel mit Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate

Was sagt die OEE aus?

Die OEE zeigt, welcher Anteil der geplanten Produktionsleistung tatsächlich als Gutmenge erreicht wurde.

Dabei werden drei Verlustarten berücksichtigt:

  • Stillstände
  • reduzierte Produktionsgeschwindigkeit
  • Ausschuss und fehlerhafte Teile

Eine niedrige OEE zeigt, dass Produktionspotenzial verloren geht. Sie zeigt aber noch nicht automatisch, wodurch die Verluste entstanden sind.

Wie wird die OEE berechnet?

Die OEE-Formel lautet:

OEE = Verfügbarkeit × Leistungsgrad × Qualitätsrate

Alle drei Werte werden als Prozentwerte berechnet.

Verfügbarkeit = Laufzeit ÷ geplante Produktionszeit


Die Verfügbarkeit sinkt beispielsweise durch:

  • Maschinenstörungen
  • Materialmangel
  • fehlendes Personal
  • Werkzeugprobleme
  • Rüst- und Einstellzeiten

Welche Zeiten berücksichtigt werden, muss das Unternehmen eindeutig festlegen.

Leistungsgrad = tatsächliche Leistung ÷ mögliche Leistung


Der Leistungsgrad zeigt, ob die Maschine während ihrer Laufzeit mit der vorgesehenen Geschwindigkeit produziert.

Verluste entstehen beispielsweise durch:

  • reduzierte Geschwindigkeit
  • kurze Unterbrechungen
  • technische Probleme
  • falsche Solltakte
  • instabile Prozesse

Qualitätsrate = Gutmenge ÷ Gesamtmenge


Die Qualitätsrate sinkt durch:

  • Ausschuss
  • fehlerhafte Teile
  • Anlaufverluste
  • Nacharbeit, abhängig von der festgelegten Definition

Beispiel für die OEE-Berechnung

Eine Maschine hat folgende Werte:

WertErgebnis
Geplante Produktionszeit480 Minuten
Tatsächliche Laufzeit420 Minuten
Produzierte Gesamtmenge760 Stück
Gutmenge730 Stück
Ideale Zykluszeit0,5 Minuten

Daraus ergeben sich:

OEE-FaktorBerechnungErgebnis
Verfügbarkeit420 ÷ 48087,5 %
Leistungsgrad760 × 0,5 ÷ 42090,5 %
Qualitätsrate730 ÷ 76096,1 %

Die OEE beträgt:

87,5 % × 90,5 % × 96,1 % = 76,0 %

Damit wurden 76 Prozent des geplanten Produktionspotenzials als Gutmenge erreicht.

Welche Daten werden für die OEE benötigt?

Für die OEE-Berechnung werden Zeit-, Mengen- und Stammdaten benötigt.

Benötigte DatenTypische Datenquelle
Geplante ProduktionszeitMES-Schichtkalender oder Produktionsplanung
MaschinenlaufzeitMaschine, SPS oder MDE
StillstandszeitenMaschine, MDE oder BDE
StillstandsgründeBedienereingabe oder automatische Erfassung
GesamtmengeMaschine, MDE oder BDE
Gut- und AusschussmengeMaschine, BDE oder CAQ
Solltakt oder ZykluszeitERP, Arbeitsplan oder MES
Auftrag und ArtikelERP oder MES

Die OEE ist nur belastbar, wenn diese Daten vollständig und korrekt sind.

Welchen Vorteil bietet ein MES bei der OEE?

Eine OEE kann grundsätzlich auch ohne MES berechnet werden.

Dafür müssen Produktionszeiten, Stillstände, Mengen, Ausschuss und Solltakte jedoch manuell zusammengeführt werden. Das verursacht erheblichen Aufwand und führt häufig zu verspäteten oder uneinheitlichen Ergebnissen.

Ein MES kann die erforderlichen Daten automatisch erfassen und laufend berechnen.

Dadurch entstehen folgende Vorteile:

  • aktuelle OEE-Werte ohne manuelle Auswertung
  • einheitliche Berechnungsregeln
  • Auswertungen nach Maschine, Schicht, Auftrag, Artikel oder Zeitraum
  • direkte Zuordnung von Stillständen und Verlustursachen
  • schnelle Erkennung von Abweichungen
  • nachvollziehbare Vergleiche
  • Kontrolle der Wirkung von Verbesserungsmaßnahmen
  • weniger Aufwand für Excel-Listen und manuelle Berichte

Der größte Nutzen liegt nicht allein in der Berechnung der OEE.

Das MES zeigt zusätzlich, wann, wo und warum Verluste entstanden sind. Damit wird aus einer nachträglichen Kennzahl ein Werkzeug zur laufenden Verbesserung der Produktion.

Ein MES verbessert die OEE jedoch nicht automatisch. Die Verbesserung entsteht durch die Maßnahmen, die das Unternehmen aus den erkannten Verlusten ableitet.

Was muss vor der OEE-Berechnung festgelegt werden?

Die Formel allein reicht nicht aus.

Das Unternehmen muss unter anderem klären:

  • Wann beginnt und endet die geplante Produktionszeit?
  • Werden Pausen und Wartungszeiten abgezogen?
  • Wie werden Rüstzeiten behandelt?
  • Ab wann gilt ein Maschinenstopp als Stillstand?
  • Welcher Solltakt wird verwendet?
  • Wie werden Anlaufteile bewertet?
  • Zählt Nacharbeit zur Gut- oder Ausschussmenge?
  • Wird die OEE je Maschine, Linie, Auftrag, Artikel oder Schicht berechnet?

Ohne einheitliche Regeln sind OEE-Werte nicht zuverlässig vergleichbar.

Wie ist die OEE zu bewerten?

Eine hohe OEE bedeutet nicht automatisch, dass eine Maschine wirtschaftlich arbeitet oder vollständig ausgelastet ist.

Die OEE betrachtet nur die festgelegte geplante Produktionszeit. Sie zeigt nicht automatisch:

  • ob genügend Aufträge vorhanden sind
  • ob die Maschine wirtschaftlich eingesetzt wird
  • wie hoch die Produktionskosten sind
  • ob Liefertermine eingehalten werden
  • ob andere Maschinen einen Engpass verursachen

Deshalb sollte die OEE immer gemeinsam mit weiteren MES-Kennzahlen betrachtet werden.

Welcher OEE-Wert ist gut?

Es gibt keinen allgemein gültigen Zielwert für alle Unternehmen.

Der sinnvolle Zielwert hängt unter anderem ab von:

  • Produktionsverfahren
  • Produktvielfalt
  • Losgrößen
  • Automatisierungsgrad
  • Maschinenalter
  • Rüsthäufigkeit
  • Qualitätsanforderungen

Wichtiger als ein allgemeiner Branchenvergleich ist die Entwicklung der eigenen Werte unter gleichbleibenden Berechnungsregeln.

Wie lässt sich die OEE verbessern?

Die Verbesserung richtet sich danach, welcher Faktor die größten Verluste verursacht.

  • wiederkehrende Störungen beseitigen
  • Wartung gezielt planen
  • Material rechtzeitig bereitstellen
  • Rüstzeiten verkürzen
  • Ersatzteile und Werkzeuge verfügbar halten
  • Mikrostillstände erfassen
  • Geschwindigkeitsverluste analysieren
  • Solltakte überprüfen
  • Prozessparameter stabilisieren
  • Bedienabläufe verbessern
  • Ausschussursachen erfassen
  • Prozess- und Qualitätsdaten verbinden
  • Anlaufverluste reduzieren
  • Prüfungen in den Produktionsablauf integrieren
  • fehlerhafte Materialien und Werkzeuge erkennen

Die OEE steigt erst, wenn konkrete Verlustursachen beseitigt werden.

Welchen Nutzen hat das Unternehmen?

Mit einer richtig definierten OEE können Unternehmen:

  • Produktionsverluste sichtbar machen
  • Ursachen nach ihrer Bedeutung priorisieren
  • Verbesserungsmaßnahmen gezielt auswählen
  • die Wirkung von Maßnahmen kontrollieren
  • zusätzliche Produktionskapazität erkennen
  • Investitionen besser begründen
  • Maschinen und Zeiträume einheitlich bewerten

Die OEE selbst ist keine finanzielle Kennzahl. Verluste müssen zusätzlich in Mengen, Zeiten und Euro bewertet werden.

OEE im MES-Lastenheft definieren

Die Anforderung

„Das MES muss die OEE berechnen.“

ist für ein MES-Lastenheft nicht ausreichend.

Das Lastenheft sollte zusätzlich festlegen:

  • verwendete Formeln
  • Definition der geplanten Produktionszeit
  • berücksichtigte Zeitarten
  • Behandlung von Rüstzeiten und Pausen
  • gültiger Solltakt
  • Behandlung von Ausschuss und Nacharbeit
  • automatische und manuelle Datenquellen
  • Auswertung nach Maschine, Auftrag, Artikel und Schicht
  • Filter- und Vergleichsmöglichkeiten
  • Darstellung der einzelnen OEE-Faktoren
  • Anzeige der zugrunde liegenden Verlustursachen
  • historische Speicherung und Export

Nur mit diesen Festlegungen können MES-Anbieter die Anforderungen eindeutig bewerten.

Häufige Fragen zur OEE

OEE steht für Overall Equipment Effectiveness. Die Kennzahl bewertet die Effektivität einer Maschine anhand von Verfügbarkeit, Leistung und Qualität.

Die OEE wird berechnet, indem Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate miteinander multipliziert werden.

Benötigt werden unter anderem Produktionszeiten, Maschinenzustände, Stillstände, Mengen, Qualitätsdaten und Solltakte.

Ja. Ohne MES müssen die Daten jedoch häufig manuell erfasst, zusammengeführt und ausgewertet werden. Das verursacht mehr Aufwand und erschwert aktuelle und einheitliche Auswertungen.

Nein. Die OEE zeigt Produktionsverluste, berücksichtigt aber nicht automatisch Kosten, Auftragsbestand, Liefertermine oder die Gesamtauslastung.

Nur eingeschränkt. Berechnungsregeln, Produktionsbedingungen, Produkte und Solltakte müssen vergleichbar sein.

Nein. Ein MES macht Verluste und Ursachen schneller sichtbar. Die Verbesserung entsteht durch die daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Weitere Informationen

Erfahren Sie mehr über die einzelnen OEE-Faktoren:

Weitere Grundlagen finden Sie auf der Übersichtsseite MES-Kennzahlen und unter MES-Lastenheft erstellen.