Planerfüllung berechnen: Formel, MES-Daten und Nutzen
Die Planerfüllung vergleicht die geplante Produktionsmenge mit der tatsächlich erreichten Menge.
Sie zeigt, ob die Produktionsziele einer Schicht, eines Tages oder eines Auftrags erreicht wurden.

Was sagt die Planerfüllung aus?
Die Planerfüllung beantwortet die Frage:
„Wie viel der geplanten Produktionsmenge wurde tatsächlich hergestellt?“
Eine geringe Planerfüllung kann beispielsweise entstehen durch:
- Maschinenstillstände
- reduzierte Produktionsleistung
- Materialmangel
- fehlendes Personal
- Qualitätsprobleme
- lange Rüstzeiten
- unrealistische Planvorgaben
- kurzfristige Planänderungen
Die Kennzahl zeigt die Abweichung vom Produktionsplan. Für Verbesserungen müssen die Ursachen zusätzlich analysiert werden.
Wie wird die Planerfüllung berechnet?
Eine häufig verwendete Formel lautet:
Planerfüllung = Ist-Menge ÷ Planmenge × 100
Dabei gilt:
Planmenge: vorgesehene Produktionsmenge
Ist-Menge: tatsächlich produzierte Menge
Es muss festgelegt werden, ob die Ist-Menge als Gesamtmenge oder als Gutmenge betrachtet wird.
Beispiel für die Berechnung
Für eine Schicht sind 1.000 Gutteile geplant.
Tatsächlich werden 920 Gutteile produziert.
| Wert | Ergebnis |
|---|---|
| Planmenge | 1.000 Stück |
| Tatsächliche Gutmenge | 920 Stück |
| Fehlmenge | 80 Stück |
Die Planerfüllung beträgt:
| 920 ÷ 1.000 × 100 = 92 % |
Damit wurden 92 Prozent der geplanten Produktionsmenge erreicht.
Welche Daten werden benötigt?
| Benötigte Daten | Typische Datenquelle |
|---|---|
| Planmenge | ERP, Produktionsplanung oder MES |
| Ist-Gesamtmenge | Maschine, MDE oder BDE |
| Gutmenge | Maschine, BDE, MES oder CAQ |
| Ausschussmenge | BDE, MES oder CAQ |
| Auftrag und Artikel | ERP oder MES |
| Schicht und Zeitraum | MES oder Zeitwirtschaft |
| Maschinenlaufzeit | Maschine, MDE oder BDE |
| Stillstandszeiten | Maschine, MDE oder MES |
| Rüstzeiten | BDE, MDE oder MES |
| Planänderungen | ERP, Feinplanung oder MES |
| Auftragsstatus | ERP oder MES |
Die Planerfüllung ist nur belastbar, wenn Plan- und Ist-Daten dieselbe Bezugsgrundlage verwenden.
Planerfüllung über 100 Prozent
Eine Planerfüllung über 100 Prozent bedeutet, dass mehr produziert wurde als geplant.
Beispiel:
1.080 ÷ 1.000 × 100 = 108 %
Das kann positiv sein. Der Wert sollte dennoch geprüft werden.
Mögliche Ursachen sind:
- höhere Produktionsleistung
- zusätzlicher Kapazitätseinsatz
- Überproduktion
- veraltete Planwerte
- vorgezogene Aufträge
- falsche Mengenerfassung
Mehrproduktion ist nicht automatisch wirtschaftlich sinnvoll.
Welchen Vorteil bietet ein MES?
Die Planerfüllung kann auch ohne MES berechnet werden.
Dafür müssen Planmengen, Produktionsmengen, Ausschuss und Auftragsdaten jedoch häufig aus unterschiedlichen Systemen oder Listen zusammengeführt werden.
Ein MES kann Plan- und Ist-Daten laufend vergleichen.
Dadurch entstehen folgende Vorteile:
- aktuelle Planerfüllung während der Schicht
- automatische Zuordnung zu Auftrag, Artikel und Maschine
- Vergleich von Planmenge und Gutmenge
- frühzeitige Erkennung von Mengenabweichungen
- Anzeige der voraussichtlichen Zielerreichung
- Verbindung mit Stillständen und Leistungsverlusten
- Auswertung nach Schicht, Tag, Auftrag oder Produktionsbereich
- Kontrolle von Verbesserungsmaßnahmen
- weniger Excel-Listen und manuelle Berichte
Der wichtigste Nutzen liegt nicht allein im Prozentwert.
Ein MES zeigt zusätzlich:
- wann die Abweichung entstanden ist
- welcher Auftrag betroffen ist
- welche Maschine oder Schicht das Ziel verfehlt
- welche Verlustursachen vorliegen
- ob der Plan noch erreicht werden kann
Ein MES erhöht die Planerfüllung jedoch nicht automatisch. Die Verbesserung entsteht durch Planung und konkrete Maßnahmen.
Was muss vor der Berechnung festgelegt werden?
Die Formel allein reicht nicht aus.
Das Unternehmen muss unter anderem klären:
- Welche Planmenge wird verwendet?
- Wird die Ist-Gesamtmenge oder die Gutmenge betrachtet?
- Welcher Zeitraum gilt?
- Werden Teilmengen berücksichtigt?
- Wie werden Planänderungen behandelt?
- Wie wird Ausschuss bewertet?
- Wie werden Nacharbeitsteile berücksichtigt?
- Wie werden vorgezogene Mengen behandelt?
- Darf eine Überproduktion andere Fehlmengen ausgleichen?
- Wird je Auftrag, Artikel, Maschine oder Schicht gerechnet?
Ohne einheitliche Regeln sind Planerfüllungswerte nicht zuverlässig vergleichbar.
Planerfüllung und Gutmenge
Für die betriebliche Steuerung sollte die Planerfüllung in der Regel auf der Gutmenge basieren.
Die Gesamtmenge kann den Eindruck vermitteln, dass der Produktionsplan erreicht wurde, obwohl ein Teil der Menge Ausschuss ist.
Beispiel:
- Planmenge: 1.000 Stück
- Gesamtmenge: 1.020 Stück
- Gutmenge: 950 Stück
Dann beträgt die Planerfüllung:
auf Basis der Gesamtmenge: 102 %
auf Basis der Gutmenge: 95 %
Die verwendete Mengendefinition muss deshalb eindeutig angegeben werden.
Unterschied zwischen Planerfüllung und Termintreue
Die Planerfüllung bewertet eine Menge.
Die Termintreue bewertet einen Termin.
Ein Auftrag kann seine geplante Menge erreichen, aber zu spät fertig werden.
Umgekehrt kann ein Auftrag rechtzeitig abgeschlossen werden, obwohl die geplante Menge nicht vollständig erreicht wurde.
Beide Kennzahlen beantworten unterschiedliche Fragen.
Unterschied zwischen Planerfüllung und Leistungsgrad
Der Leistungsgrad bewertet die Produktionsgeschwindigkeit während der Maschinenlaufzeit.
Die Planerfüllung vergleicht das gesamte Mengenziel mit dem erreichten Ergebnis.
Eine geringe Planerfüllung kann entstehen, obwohl der Leistungsgrad hoch ist, beispielsweise durch:
- lange Stillstände
- verspäteten Auftragsstart
- Materialmangel
- fehlende Produktionszeit
Deshalb sollten beide Kennzahlen gemeinsam betrachtet werden.
Wie ist die Planerfüllung zu bewerten?
Eine Planerfüllung von 100 Prozent bedeutet, dass die geplante Menge erreicht wurde.
Der Wert sagt jedoch nicht automatisch aus:
- ob der Auftrag termingerecht fertig wurde
- ob wirtschaftlich produziert wurde
- ob Ausschuss entstanden ist
- ob zusätzliche Schichten notwendig waren
- ob andere Aufträge zurückgestellt wurden
- ob unnötig vorproduziert wurde
Die Planerfüllung sollte gemeinsam betrachtet werden mit:
- Termintreue
- Leistungsgrad
- Maschinenverfügbarkeit
- OEE
- Ausschussquote
- Durchlaufzeit
- Auftragsfortschritt
Welcher Wert ist gut?
Das Ziel liegt häufig bei 100 Prozent.
Eine dauerhaft deutlich niedrigere Planerfüllung kann auf Probleme in Planung oder Produktion hinweisen.
Eine dauerhaft deutlich höhere Planerfüllung kann bedeuten:
- Planwerte sind zu niedrig
- es wird über Bedarf produziert
- Aufträge werden vorgezogen
- Planmengen werden nicht aktuell gepflegt
Entscheidend ist eine realistische und stabile Planung.
Wie lässt sich die Planerfüllung verbessern?
Geeignete Maßnahmen sind beispielsweise:
- realistische Planmengen festlegen
- Plan- und Stammdaten überprüfen
- Abweichungen frühzeitig erkennen
- Stillstandsursachen reduzieren
- Material rechtzeitig bereitstellen
- Personalbedarf besser planen
- Rüstzeiten verkürzen
- Ausschuss und Nacharbeit reduzieren
- Engpässe berücksichtigen
- Auftragsreihenfolgen verbessern
- Planänderungen transparent dokumentieren
Die Verbesserung darf nicht nur durch Überstunden, höhere Bestände oder vorgezogene Produktion erreicht werden.
Welchen Nutzen hat das Unternehmen?
Eine belastbare Planerfüllung hilft Unternehmen:
- Produktionsziele laufend zu kontrollieren
- Abweichungen frühzeitig zu erkennen
- Gegenmaßnahmen rechtzeitig einzuleiten
- Schichten und Kapazitäten besser zu planen
- Kundenaufträge besser abzusichern
- Planwerte zu verbessern
- Verlustursachen zu priorisieren
- Produktionsbereiche objektiv zu vergleichen
- Verbesserungsmaßnahmen nachzuweisen
Die Kennzahl verbindet Produktionsplanung und tatsächliches Produktionsergebnis.
Planerfüllung im MES-Lastenheft definieren
Die Anforderung
„Das MES muss die Planerfüllung berechnen.“
ist für ein MES-Lastenheft nicht ausreichend.
Zusätzlich sollte festgelegt werden:
- verwendete Berechnungsformel
- Herkunft der Planmenge
- Verwendung von Gesamt- oder Gutmenge
- betrachteter Zeitraum
- Behandlung von Ausschuss und Nacharbeit
- Behandlung von Planänderungen
- Behandlung vorgezogener Mengen
- Umgang mit Werten über 100 Prozent
- Auswertung nach Auftrag, Artikel, Maschine und Schicht
- laufende Hochrechnung bis zum Schicht- oder Auftragsende
- Anzeige der Abweichungsursachen
- Plan-Ist-Vergleich in Menge und Prozent
- Filter-, Vergleichs- und Exportmöglichkeiten
- historische Speicherung
- Meldung bei Grenzwertabweichungen
Nur mit diesen Festlegungen können MES-Anbieter die Anforderung eindeutig bewerten.
Häufige Fragen zur Planerfüllung
Die tatsächlich produzierte Menge wird durch die geplante Menge geteilt und mit 100 multipliziert.
Für die Produktionssteuerung ist meistens die Gutmenge aussagekräftiger. Die verwendete Mengendefinition muss eindeutig festgelegt werden.
Ja. Das bedeutet, dass mehr produziert wurde als geplant. Die Ursachen und die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit sollten geprüft werden.
Die Planerfüllung bewertet die erreichte Menge. Die Termintreue bewertet die Einhaltung des geplanten Termins.
Benötigt werden insbesondere Planmenge, Ist-Menge, Gutmenge, Auftrag, Artikel, Maschine und Zeitraum.
Ja. Ohne MES müssen Plan- und Produktionsdaten jedoch häufig manuell zusammengeführt werden.
Nein. Ein MES macht Abweichungen und Ursachen frühzeitig sichtbar. Die Verbesserung entsteht durch Planung und konkrete Maßnahmen.
Weitere Informationen
Weitere passende Kennzahlen sind:
Weitere Grundlagen finden Sie auf der Übersichtsseite MES-Kennzahlen und unter MES-Lastenheft erstellen.
