Termintreue berechnen: Formel, MES-Daten und Nutzen
Die Termintreue zeigt, welcher Anteil der Aufträge zum geplanten Termin fertiggestellt wurde.
Sie macht sichtbar, wie zuverlässig die Produktion zugesagte Termine einhält.

Was sagt die Termintreue aus?
Die Termintreue beantwortet die Frage:
„Wie viele Aufträge wurden zum festgelegten Termin vollständig fertiggestellt?“
Eine geringe Termintreue kann beispielsweise entstehen durch:
- Maschinenstillstände
- Materialmangel
- fehlendes Personal
- unrealistische Planung
- lange Rüstzeiten
- Qualitätsprobleme und Nacharbeit
- Engpässe
- kurzfristige Planänderungen
- verspätete Freigaben
Die Kennzahl zeigt die Zuverlässigkeit der Produktion. Für Verbesserungen müssen zusätzlich die Ursachen der Verspätungen bekannt sein.
Wie wird die Termintreue berechnet?
Eine häufig verwendete Formel lautet:
Termintreue = termingerecht vollständig fertiggestellte Aufträge ÷ alle im betrachteten Zeitraum fälligen Aufträge × 100
Dabei gilt:
termingerecht: Fertigstellung innerhalb des festgelegten Terminfensters
fertiggestellt: Auftrag vollständig abgeschlossen
Das Unternehmen muss eindeutig festlegen, welcher Termin und welcher Fertigstellungsstatus gelten.
Beispiel für die Berechnung
In einem Monat waren 120 Produktionsaufträge fällig. Davon wurden 102 vollständig und termingerecht abgeschlossen. 18 Aufträge wurden verspätet fertiggestellt oder waren am Fälligkeitstermin noch nicht vollständig abgeschlossen.
| Wert | Ergebnis |
|---|---|
| Im Zeitraum fällige Aufträge | 120 |
| Termingerecht vollständig fertiggestellt | 102 |
| Verspätet oder am Termin noch offen | 18 |
Die Termintreue beträgt:
| 102 ÷ 120 × 100 = 85 % |
Damit wurden 85 Prozent der fertiggestellten Aufträge termingerecht abgeschlossen.
Welche Daten werden benötigt?
| Benötigte Daten | Typische Datenquelle |
|---|---|
| Geplanter Fertigstellungstermin | ERP, Feinplanung oder MES |
| Tatsächlicher Fertigstellungstermin | BDE, MES oder ERP |
| Auftragsstatus | ERP oder MES |
| Auftrag und Artikel | ERP oder MES |
| Auftragsmenge | ERP oder MES |
| Gutmenge | BDE, MES oder CAQ |
| Arbeitsgangsfortschritt | BDE oder MES |
| Maschinenbelegung | Feinplanung oder MES |
| Stillstände | Maschine, MDE oder MES |
| Materialverfügbarkeit | ERP, Lagerverwaltung oder MES |
| Qualitätsfreigabe | CAQ oder MES |
| Terminänderungen | ERP, Feinplanung oder MES |
Die Kennzahl ist nur belastbar, wenn Plantermine, Terminänderungen und Fertigmeldungen nachvollziehbar gespeichert werden.
Welchen Vorteil bietet ein MES?
Die Termintreue kann auch ohne MES berechnet werden.
Dafür müssen Plantermine, Auftragsstatus und Fertigmeldungen jedoch häufig aus unterschiedlichen Systemen und Listen zusammengeführt werden.
Ein MES kann den aktuellen Auftragsfortschritt laufend mit dem geplanten Termin vergleichen.
Dadurch entstehen folgende Vorteile:
- aktuelle Terminsituation je Auftrag
- automatische Ermittlung gefährdeter Aufträge
- frühzeitige Warnung vor Verzögerungen
- Verbindung mit Maschinen-, Material- und Qualitätsdaten
- Anzeige der Ursachen von Terminabweichungen
- Auswertung nach Auftrag, Artikel, Kunde oder Produktionsbereich
- Vergleich von Plan- und Ist-Terminen
- nachvollziehbare Historie von Terminänderungen
- weniger manuelle Abstimmungen und Listen
Der wichtigste Nutzen liegt nicht allein im später berechneten Prozentwert.
Ein MES zeigt bereits während der Produktion, welche Aufträge gefährdet sind und wo Gegenmaßnahmen erforderlich werden.
Ein MES verbessert die Termintreue jedoch nicht automatisch. Die Verbesserung entsteht durch realistische Planung und konkrete Maßnahmen.
Was muss vor der Berechnung festgelegt werden?
Die Formel allein reicht nicht aus.
Das Unternehmen muss unter anderem klären:
- Welcher Termin ist maßgeblich?
- Gilt der Produktionsendtermin oder der Liefertermin?
- Wann gilt ein Auftrag als vollständig fertiggestellt?
- Muss eine Qualitätsfreigabe vorliegen?
- Wie werden Teilmengen behandelt?
- Wie werden vorzeitig fertiggestellte Aufträge bewertet?
- Gibt es ein zulässiges Terminfenster?
- Wie werden nachträgliche Terminänderungen behandelt?
- Werden stornierte oder gesperrte Aufträge berücksichtigt?
- Wird jeder Auftrag gleich gewichtet?
Ohne einheitliche Regeln sind Werte verschiedener Bereiche nicht zuverlässig vergleichbar.
Produktions- und Liefertermintreue
Termintreue kann auf unterschiedlichen Ebenen bewertet werden.
Produktionstermintreue
Sie zeigt, ob der Produktionsauftrag zum geplanten internen Fertigstellungstermin abgeschlossen wurde.
Liefertermintreue
Sie zeigt, ob die Lieferung zum zugesagten Kundentermin erfolgt ist.
Die Liefertermintreue kann zusätzlich beeinflusst werden durch:
- Verpackung
- Warenausgang
- Versand
- Transport
- externe Dienstleister
Für eine MES-Kennzahl sollte deshalb klar sein, dass meist die interne Produktionstermintreue betrachtet wird.
Termintreue und Planerfüllung
Die Planerfüllung bewertet die erreichte Produktionsmenge.
Die Termintreue bewertet die Einhaltung eines Termins.
Ein Auftrag kann:
- die Planmenge erreichen, aber zu spät fertig werden
- rechtzeitig fertig werden, aber eine geringere Menge liefern
- nur durch Überstunden oder zusätzliche Kapazität termingerecht abgeschlossen werden
Beide Kennzahlen sollten deshalb getrennt ausgewertet werden.
Termintreue und Durchlaufzeit
Eine lange Durchlaufzeit erhöht häufig das Risiko verspäteter Aufträge.
Beide Kennzahlen sind jedoch nicht identisch.
Ein Auftrag kann trotz langer Durchlaufzeit termingerecht sein, wenn ausreichend Zeit eingeplant wurde. Umgekehrt kann ein Auftrag mit kurzer Durchlaufzeit verspätet sein, wenn er zu spät gestartet wurde.
Wie ist die Termintreue zu bewerten?
Eine hohe Termintreue ist grundsätzlich positiv.
Sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass wirtschaftlich produziert wurde.
Termine können beispielsweise eingehalten werden durch:
- Überstunden
- Sonderfahrten
- hohe Zwischenbestände
- häufige Prioritätsänderungen
- Zurückstellung anderer Aufträge
- zusätzliche Fremdvergabe
Die Kennzahl sollte gemeinsam betrachtet werden mit:
- Planerfüllung
- Durchlaufzeit
- Maschinenverfügbarkeit
- Maschinenauslastung
- Ausschussquote
- Auftragsbestand
- Überstunden
- Produktionskosten
Welcher Wert ist gut?
Das Ziel liegt grundsätzlich möglichst nahe bei 100 Prozent.
Ein sinnvoller Zielwert hängt jedoch ab von:
- Produktionsart
- Auftragsstruktur
- Produktvielfalt
- Losgrößen
- Materialverfügbarkeit
- Fremdbearbeitung
- Planungsqualität
- Kundenanforderungen
Wichtig ist, dass der Wert nach einer einheitlichen Definition berechnet wird.
Wie lässt sich die Termintreue verbessern?
Geeignete Maßnahmen sind beispielsweise:
- realistische Termine festlegen
- gefährdete Aufträge frühzeitig erkennen
- Engpässe in der Planung berücksichtigen
- Material rechtzeitig bereitstellen
- Maschinenstillstände reduzieren
- Rüstzeiten verkürzen
- Auftragsreihenfolgen verbessern
- Qualitätsprobleme früher erkennen
- Terminänderungen transparent dokumentieren
- Kapazitäten und Personal besser abstimmen
- Plan- und Ist-Zeiten regelmäßig vergleichen
Die Verbesserung darf nicht dauerhaft durch Überstunden, hohe Bestände oder häufige Umpriorisierung erreicht werden.
Welchen Nutzen hat das Unternehmen?
Eine belastbare Termintreue hilft Unternehmen:
- Kundenversprechen zuverlässiger einzuhalten
- verspätete Aufträge früh zu erkennen
- Gegenmaßnahmen rechtzeitig einzuleiten
- Planung und Kapazitätssteuerung zu verbessern
- Sonderkosten zu reduzieren
- Kundenreklamationen zu vermeiden
- Produktionsbereiche objektiv zu bewerten
- Ursachen von Verzögerungen zu priorisieren
- Verbesserungsmaßnahmen nachzuweisen
Damit verbindet die Kennzahl Produktionssteuerung und Kundenzufriedenheit.
Termintreue im MES-Lastenheft definieren
Die Anforderung
„Das MES muss die Termintreue berechnen.“
ist für ein MES-Lastenheft nicht ausreichend.
Zusätzlich sollte festgelegt werden:
- verwendete Berechnungsformel
- maßgeblicher Plantermin
- Definition der vollständigen Fertigstellung
- Behandlung von Teilmengen
- Behandlung vorzeitiger Fertigstellung
- zulässiges Terminfenster
- Behandlung nachträglicher Terminänderungen
- Behandlung stornierter und gesperrter Aufträge
- Auswertung nach Auftrag, Artikel, Kunde und Produktionsbereich
- laufende Prognose gefährdeter Aufträge
- Anzeige der Verspätungsdauer
- Zuordnung von Abweichungsursachen
- Filter-, Vergleichs- und Exportmöglichkeiten
- historische Speicherung und Terminverlauf
- Meldung bei drohender Terminüberschreitung
Nur mit diesen Festlegungen können MES-Anbieter die Anforderung eindeutig bewerten.
Häufige Fragen zur Termintreue
Die Anzahl der termingerecht und vollständig fertiggestellten Aufträge wird durch die Anzahl aller im betrachteten Zeitraum fälligen Aufträge geteilt und mit 100 multipliziert. Verspätet fertiggestellte sowie am Fälligkeitstermin noch offene Aufträge gelten als nicht termingerecht.
Das Unternehmen muss festlegen, ob Produktionsendtermin, Versandtermin oder Kundentermin maßgeblich ist.
Ein Auftrag sollte nur dann als termingerecht gelten, wenn die geforderte Menge vollständig fertiggestellt wurde. Abweichende Regeln müssen eindeutig festgelegt werden.
Die Termintreue bewertet einen Termin. Die Planerfüllung bewertet die erreichte Produktionsmenge.
Benötigt werden insbesondere Plantermin, tatsächlicher Fertigstellungstermin, Auftragsstatus, Auftragsmenge und Gutmenge.
Ja. Ohne MES müssen Plan-, Auftrags- und Fertigdaten jedoch häufig manuell zusammengeführt werden.
Nein. Ein MES macht gefährdete Aufträge und Ursachen frühzeitig sichtbar. Die Verbesserung entsteht durch Planung und konkrete Maßnahmen.
Weitere Informationen
Weitere passende Kennzahlen sind:
Weitere Grundlagen finden Sie auf der Übersichtsseite MES-Kennzahlen und unter MES-Lastenheft erstellen.
